Sa 26.09.

19.30h Kulturhaus Helferei

Behold a wonder here
Zum 400. Todestag von John Dowland

lautten compagney Berlin


John Dowland (1563–1626)

  • Unquiet thoughts
    First Book of Songs or Ayres 1597
  • Stay time awhile thy flying
    A Pilgrim‘s Solace 1612
  • Time stands still
    Third Book of Songs or Ayres 1603
  • Fine knacks for ladies
    Second Book of Songs or Ayres 1600
  • Can she excuse my wrongs
    1st Book
  • O sweet woods
    2nd Book
  • Flow my tears
    2nd Book
  • Now, o now I needs must part
    1st Book (instrumental)
  • Humor say, what mak’st thou here?
    2nd Book
  • A shepherd in a shade
    2nd Book
  • Were every thought an eye
    A Pilgrim‘s Solace
  • My thoughts are winged with hopes
    1st Book
  • What poor astronomers are they
    3rd Book
  • Behold a wonder here
    3rd Book
  • Clear or cloudy
    2nd Book
  • Come again, sweet love
    1st Book

lautten compagney Berlin
Anna Moritz Sopran
Julia Böhme Alt
Johannes Gaubitz Tenor
Cornelius Uhle Bass

Ulrike Becker Viola di Gamba
Hans-Werner Apel Theorbe, Orpharion
Wolfgang Katschner Laute, musikalische Leitung

lauttencompagney.de

Behold a wonder here

Ein Wunder der Musikgeschichte sind die Liederbücher von John Dowland (1563–1626). Beginnend mit dem Jahr 1597 erschienen bis 1612 seine vier Books of Songs or Ayres. In ihrer einzigartigen Qualität der Verbindung von Text und Musik lassen sie sich durchaus mit den Liedern anderer berühmter Komponisten wie Henry Purcell, Carl Philipp Emanuel Bach, Franz Schubert oder Johannes Brahms auf eine Stufe stellen.
Zu Dowlands Lebzeiten gab es keinen Konzertbetrieb, wie wir ihn heute kennen. Das Musizieren war eher eine Art Private Musicke, wie der Titel eines frühbarocken Liederbuches von Martin Peerson (erschienen 1620) suggeriert. Die Mitglieder adliger und vornehmer bürgerlicher Familien konnten in der Regel Laute spielen, singen und tanzen. Man musizierte für sich selbst oder engagierte professionelle Musiker – auch John Dowland war ein vielgefragter Lautenspieler – und hörte ihnen im privaten Rahmen und im kleinen Kreis zu.
Von Dowlands mehr als 80 Songs waren ursprünglich manche für ein Vokalquartett mit Begleitung von Laute und Gambe, andere aber auch für Solostimme oder Duo mit Begleitung gedacht, und einige mögen sogar als Instrumentalstücke entstanden sein; gedruckt und veröffentlicht wurden aber fast alle in Fassungen für Vokalquartett mit Begleitung. Die Liederbücher waren in einer ganz eigentümlichen Form angelegt, und zwar dergestalt, dass man im Kreis um einen Tisch sitzen und alle fünf parts (Stimmen) aus ein und demselben Buch lesen konnte.
Die Aufführung dieser Musik in ihrer originalen Form ist der lautten compagney Berlin ein Anliegen: Vier Sänger*innen und drei Instrumentalist*innen sitzen um einen runden Tisch und musizieren Dowlands Lieder. Die Klänge nehmen so einen anderen Weg als bei den meist üblichen «frontalen» Darbietungen. Die Ausführenden kommunizieren auf diese spezielle Art miteinander und auch mit einem modernen Publikum.
lautten compagney Berlin

John Dowland. The First Booke of Songes or Ayres of fowre partes with Tableture for the Lute. [London], Peter Short, 1597. Links: Cantus (Sopran) und Lautenstimme (in Tabulaturnotation). Rechts: Altus, Bassus und Tenor. © Digital Collections

John Dowland

So erfolgreich John Dowland (1563–1626) im damaligen England als Komponist ist, so frustrierend erfolglos bleibt er in seinem Bemühen, Lautenist am Hof von Königin Elisabeth I. zu werden. Er selbst schreibt dies dem Umstand zu, dass er in jungen Jahren als Diener des englischen Botschafters in Paris zum Katholizismus konvertierte. «Strategisch» gesehen war das in einer Zeit anhaltender Glaubenskämpfe tatsächlich ein eher ungünstiger Entschluss. Da jedoch andere Katholiken durchaus eine Stelle am anglikanischen Hof finden, kann das kaum der einzige Grund gewesen sein; Dowlands Person mag dabei ebenfalls oder vielleicht sogar hauptsächlich eine Rolle gespielt haben.
Nach einem Studium in Oxford, das Dowland 1588 als Bachelor of Music abschliesst, bewirbt er sich 1594 erstmals und erfolglos als Royal Lutenist. Er kehrt auf den Kontinent zurück, reist nach Deutschland und Italien. Dort spielt sich 1595 eine dubiose und potentiell durchaus gefährliche Agentengeschichte ab: Dowland wird von Exil-Katholiken kontaktiert, die ihn möglicherweise als Agenten anheuern wollen. In einem Brief an den Minister Sir Robert Cecil schildert Dowland diese Ereignisse und versucht, jeden Verdacht von sich abzulenken.
Dies anscheinend mit Erfolg, denn 1596/97 ist Dowland wieder in England und veröffentlicht sein First Booke of Songes. Diesem folgen noch drei weitere Bücher mit Songs. Sie etablieren Dowland als einen der anerkannt besten Komponisten seiner Zeit; eine erneute Bewerbung als Lautenist des Hofs wird jedoch wiederum abgelehnt.
Darauf nimmt Dowland für mehrere Jahre, 1598 bis 1606, eine fürstlich bezahlte Stellung am dänischen Hof an. Seine Frau bleibt in England, wo sie (wahrscheinlich) die Publikationen ihres Mannes betreut, darunter 1604 auch die Lachrimae-Pavanen. Nach einer Stelle im aristokratischen Haus von Lord Walden wird Dowland 1612 endlich doch noch zum Hofmusiker ernannt, allerdings nicht von Königin Elisabeth, sondern von ihrem Nachfolger James I. Jedoch scheint es, dass Dowland in den verbleibenden 14 Jahren seines Lebens nicht mehr komponierte.