Sa 20.09.

Orgelspaziergang

16.30h Grossmünster

Andreas Jost Orgel

17.30h Augustinerkirche

Claire Genewein Traversflöte
Merit Eichhorn Orgel

18.30h Tonhalle

Tobias Willi Orgel

Michael Meyer Moderation

Eintritt frei / Kollekte

Andreas Jost Orgel
Louis Marchand (1669–1732)
  • Grand Dialogue
    aus: 3ième livre d’orgue
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
  • An Wasserflüssen Babylon BWV 653b
    a 5 parti con 2 tastiere e pedale doppio
Johann Sebastian Bach
  • Passacaglia in c-Moll BWV 582
Claire Genewein Traversflöte
Merit Eichhorn Orgel
Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788)
  • Fantasia e Fuga in c-Moll Wq. 119/7
Gottfried August Homilius (1714–1785)
  • Jesus meine Zuversicht – Schmücke dich, o liebe Seele
    aus: 32 Praeludia zu geistlichen Liedern
Carl Philipp Emanuel Bach
  • Sonata in C-Dur Wq. 149
    Allegro di molto – Andante – Allegretto
Tobias Willi Orgel
Johann Sebastian Bach
bearb. Marcel Dupré (1886–1971)
  • Sinfonia
    aus: Kantate Wir danken dir, Gott BWV 29
Percy Whitlock (1903–1946)
  • Adagio
Johann Sebastian Bach
bearb. Sigfrid Karg-Elert (1877–1933)
  • Symphonie Pastorale
    aus: Zweite Kantate des Weihnachtsoratoriums BWV 248
Johann Sebastian Bach
bearb. Ulisse Matthey (1876–1947)
  • Chaconne in d-Moll BWV 1004
    aus: Partita Nr. 2 in d-Moll für Violine solo

Die einzelnen Rezitale dauern ca. 30 Minuten.

Der Orgelspaziergang ist eine Kooperation mit der Tonhalle-Gesellschaft Zürich
und dem Verein Freundeskreis der neuen Zürcher Tonhalle-Orgel.


Wolfgang Amadé Mozart bezeichnete die Orgel im Jahr 1777 in einem Brief an seinen Vater als König aller Instrumente: Die Rede von der Orgel als royalem Instrument war schon damals etabliert, ihr majestätischer Klang begeisterte immer wieder aufs Neue. Ein besonderes Faible für diesen hatte Johann Sebastian Bach, dessen Name im Unterschied zu Mozart mit der Geschichte der Orgelmusik aufs Engste verbunden ist. Der Orgelspaziergang beleuchtet dies aus unterschiedlichen Perspektiven.
Andreas Jost kontrastiert im Grossmünster Bach mit einem seiner damals berühmtesten Zeitgenossen, mit Louis Marchand. Der Legende nach haben sich die beiden Organisten sogar zu einem Wettkampf verabredet, vor dessen Beginn Marchand aus Furcht vor seinem Konkurrenten angeblich geflüchtet sein soll. Mit Marchands Grand Dialogue und Bachs Passacaglia stehen zwei Werke auf dem Programm, die stilistisch kaum unterschiedlicher sein könnten: Hier eine ausladende, der französischen Orgelmusiktradition des 17. Jahrhunderts verpflichtete mehrteilige Komposition, dort eine Anverwandlung des von Dietrich Buxtehude geprägten norddeutschen Passacaglien-Stils.
Die von Bach inspirierte Nachfolgegeneration präsentieren Merit Eichhorn und Claire Genewein in der Augustinerkirche: Es erklingen Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, dem heute wohl bekanntesten Sohn des Thomaskantors, sowie von Gottfried August Homilius; dieser war vermutlich ein Schüler Johann Sebastian Bachs und wirkte viele Jahre als Organist und Musikdirektor in Dresden. Neben Werken für Orgel solo wird hier mit Carl Philipp Emanuel Bachs galanter Sonate in C-Dur für Traversflöte und Continuo auch eine Kostprobe der kammermusikalischen Verwendungsmöglichkeiten der Königin der Instrumente geboten.
Demgegenüber spielt Tobias Willi auf der Orgel der Zürcher Tonhalle romantisierende Bach-Bearbeitungen unterschiedlicher Herkunft: Das Panorama reicht von Frankreich mit Marcel Dupré über Deutschland mit Sigfrid Karg-Elert bis nach Italien zum heute nur wenig bekannten Ulisse Matthey. Es handelt sich um Transkriptionen von nicht original für Orgel komponierten Werken, die zudem die Möglichkeiten der modernen sinfonischen Orgel des frühen 20. Jahrhunderts ausnutzen: So erscheint die Sinfonia aus Bachs Kantate BWV 29 in französisch-romantischer Pracht, die berühmte Hirtenmusik aus der zweiten Kantate seines Weihnachtsoratoriums in feinziseliert-impressionistischem Farbenspiel und die Chaconne d-Moll für Violine solo in überwältigender Grandezza.
Michael Meyer