Fr 11.09.

18.00h Augustinerkirche
Freier Eintritt

Präludium ZHdK

Martin Pérez Álvarez Traversflöte
Konstantina Malapani Theorbe


Robert de Visée (ca. 1655–1732/33)

  • Suite in a-Moll
    Prélude – Chaconne

Georg Friedrich Händel (1685–1759)

  • Sonate in e-Moll, Op. 1 Nr. 1a HWV 379
    Larghetto – Adagio – Andante – Largo – Allegro – Presto

Silvius Leopold Weiss (1687–1750)

  • Sonate in G-Dur
    Ciacona
    Arr. Barthold Kuijken

Georg Philipp Telemann (1681–1767)

  • Sonate in G-Dur TWV 41:G9
    Cantabile – Allegro – Affettuoso – Allegro

Das Rezital von Martin Pérez und Konstantina Malapani führt in einem kleinen Parcours durch die Welt der barocken Kammermusik für Solo- und Duo-Besetzung. Das Rezital zeigt dabei auch ganz nebenbei Gemeinsames und Gegensätzliches im Leben und in der Tätigkeit der Komponisten.
Robert de Visée (ca. 1655–1732/33) gehört in die grosse Tradition der französischen Lauten- und Gitarrenmusik. Er ist Kammermusiker am Hof von König Ludwig XIV. und Ludwig XV., tritt aber nicht nur als Lautenist und Gitarrist, sondern auch als Sänger und Gambenspieler auf. Er veröffentlichte zwei Bücher mit Suiten für die Gitarre (1682 und 1686) sowie eine Sammlung mit Stücken für Laute und Theorbe (1716). Ein erfolgreicher Musiker seiner Epoche also.
Etwas anders gestaltet Silvius Leopold Weiss (1687–1750) sein Leben. Er ist der renommierteste und gilt als der bestbezahlte Lautenist seiner Zeit. 1718 wird er als königlicher Kammerlautenist am Dresdener Hof Augusts des Starken angestellt. Hier bleibt Weiss bis zu seinem Lebensende; er kann es sich leisten, ein Angebot des Wiener Hofs – mit doppeltem Jahresgehalt! – auszuschlagen. Weiss widmet sich ausschliesslich der Laute und Theorbe. Allerdings hätte seine Karriere 1722 fast ein vorzeitiges Ende gefunden: Bei einem Streit beisst ihm ein französischer Geiger gezielt in den Daumen …
Der Komponist lässt zu Lebzeiten von seinen Werken praktisch nichts drucken – weshalb ist unklar. So findet sich über die Hälfte seiner Musik heute (nur) in zwei grossen Sammlungen von Abschriften – die eine in London, die andere in Dresden. Angelegt haben sie zwei nach wie vor unbekannte Bewunderer des Komponisten. Diese beiden Sammlungen enthalten fast alle der rund 50 Lauten-Suiten (Weiss nennt sie Sonaten), die heute sein (erhaltenes) Werk von rund 600 Einzelstücken ausmachen; seine Musik für Instrumentalensembles hat leider nur fragmentarisch überlebt.
Ganz anders als Weiss wiederum Georg Friedrich Händel (1685–1759): Als sein Opus 1 erscheinen die um 1727/28 entstandenen Sonates pour un[e] Traversière, un Violon ou Hautbois con Basso continuo, composées par G.F. Handel, Amsterdam chez Jeanne Roger. Bis heute wird einerseits darüber diskutiert, ob alle diese Sonaten wirklich von Händel sind, der Komponist scheint sich aber nicht gegen die Publikation gewehrt zu haben. Andererseits ist die erste Sonate des Opus 1 die einzige, die auch in Händels eigenem Manuskript überlebt hat. Händel orientiert sich in seiner Kammermusik meistens an der Musik Arcangelo Corellis, dem er bei seinem Italienaufenthalt 1707/08 persönlich begegnet war. So übernimmt er von ihm den Wechsel von eher schlichteren langsamen und eher kontrapunktischen schnelleren Sätzen. Auch die Melodik lehnt sich an diejenige Corellis an, doch geht Händel sehr frei mit ihr um.
Noch «produktiver» als Händel ist Georg Philipp Telemann (1681–1767): Nicht nur schreibt er Kammermusikwerke in grosser Zahl, er veröffentlicht diese auch in schneller Folge, oft im Selbstverlag. Dabei berücksichtigt er nach Möglichkeit «alle» barocken Instrumentalgattungen und ihre Kombinationen, von der Solo- bis zur Triosonate, darunter auch Solo-Fantasien für Violine, Gambe, Cembalo und Flöte.
Die 12 fantaisies à traversière sans basse erschienen 1732/33 in Hamburg. Bereits 1728 waren die ersten sechs der Sonate metodiche für Solovioline oder Flöte erschienen; sechs weitere folgten 1732. Mit der Gestaltung der Fantasien geht Telemann sehr frei um. So hat die Nr. 7 (in D-Dur) nur die beiden Sätze Alla francese – Presto, der erste Satz ist jedoch erstaunlicherweise eine französische Ouvertüre. – Die Sonate in G-Dur dagegen ist eine Kirchensonate mit den üblichen vier Sätzen im Wechsel von langsam und schnell; auch dieses Genre ist eine Errungenschaft Corellis. Während Händel jedoch mit seinem Stil à la Corelli – dem englischen Geschmack gemäss – eher rückwärtsgewandt komponiert, ist Telemann ganz der moderne Komponist seiner Zeit: Die Bezeichnung des dritten Satzes mit Affettuoso deutet darauf hin, dass die Musik im empfindsam-galanten Stil spricht.