Sa 26.09.

18.00h St. Anna-Kapelle
Freier Eintritt

Präludium MKZ
Musik am englischen Hof von Heinrich VIII. bis Georg I.

OCTOPLUS, OCTOMINUS & Ensemble F-Shark
Martina Joos
Leitung


Heinrich VIII. (1491–1547)

  • Pastime with good company

Heinrich VIII. (zugeschrieben)

  • Though some saith

Anonymous

  • Adieu, adieu, le company

William Cornish (ca. 1465–1523)

  • Whiles life or breath

Anonymous

  • Pray we to God

Anonymous

  • England, be glad

Thomas Farthing (ca. 1475–1520)

  • In May, that lusty season

Robert Cooper (ca. 1565–1639/40)

  • I have been a foster

William Cornish

  • Blow thy horn, hunter

***

Jerome Bassano (1559–1635)

  • Fantasia III a 5

Augustine Bassano (vor 1530–1604)

  • Pavana and Galiarda in g a 5

***

William Byrd (ca. 1540–1623)

  • O quam gloriosum est regnum

***

William Byrd

  • O Lord, make thy servant Elizabeth

John Dowland (1563–1626)

  • The King of Denmark’s Galliard

William Lawes (1602–1645)

  • Aire
    aus: Royal Consort Sett No 1

Georg Friedrich Händel (1685–1759)

  • Music for the Royal Fireworks: Ouverture

OCTOPLUS
Selina Bäbler, Klara Davet, Oliver Graf, Pauline Hürlimann, Sophia Jeger, Samuel Mink, Viviane Onus, Flurin Schmid, Andrea Spiri, Andrea Vogler, Aline von Hoff, Marie-Bernadette Weibel Blockflöten

OCTOMINUS
Nils Graf, Tin Mettler, Natascha Sarain, Flurin Schmid Blockflöten
Louisa Bächtold Sopran

Ensemble F-Shark
Greta Ansorge, Tatjana Filimonova, Fabian Graf, Annika Marinheiro Blockflöten
Joan Boronat Sanz Korrepetition, Cembalo und Orgel

Martina Joos Leitung
martinajoos.ch

Von Heinrich VIII. bis zu Georg I., vom berühmt-berüchtigten König mit den sechs Ehefrauen bis zu jenem Hannoveraner Kurfürsten, der sich eines Tages auf den englischen Thron setzen konnte – das von Martina Joos konzipierte OCTOPLUS-Programm umkreist das Musikleben des englischen Hofs von der Mitte des 16. bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Vor allem am Hof Heinrichs VIII. war Musik allgegenwärtig: Eine grosse Zahl von Musikern wurde engagiert – und eine noch grössere Zahl von Instrumenten gekauft –, um das gesellschaftliche, politische und religiöse Leben entsprechend klangvoll zu gestalten: die Geburt eines Thronfolgers wird in Adieu, adieu, le company gefeiert, die Hofkapelle (Chapel royal) begleitet den König 1513 selbstverständlich auf seinem Feldzug nach Frankreich (England, be glad), die Wiederkehr des Monats Mai ist ebenfalls Anlass für einige Stücke (In May, that lusty season) – und nicht zuletzt komponiert der König selbst hie und da etwas: mit einiger Gewissheit stammt Pastime with good company von ihm.
In diesen Liedern durfte es durchaus auch etwas doppeldeutig-freizügig zu und her gehen. So wird in Blow thy horn, hunter von William Cornish vordergründig eine Hirschjagd geschildert, doch gemeint ist eigentlich die Jagd auf eine Frau (oder etwas nobler: das Werben um eine Frau). Umgekehrt freilich ging das nicht: Als Heinrichs zweite Gemahlin Anne Boleyn sich – angeblich oder wirklich – allzu sehr mit einem Höfling einlässt, endet dies bekanntlich mit ihrer Hinrichtung.
Eine zentrale Rolle bei den musikalischen Aktivitäten am Hof spielte seit König Heinrichs Zeit die venezianische Familie Bassano. Nicht weniger als vier der sechs Söhne des Musikers Jeronimo Bassano liessen sich in England nieder. Dort wurden sie und auch deren Söhne Mitglieder der Royal Wind Music und waren entscheidend daran beteiligt, das Blockflöten-Consort am englischen Hof zu etablieren. So war Augustine Bassano am Hof von Heinrichs Tochter Elisabeth I. zwar als Lautenist engagiert, doch als Musician in Ordinary auch für das Blockflöten-Consort zuständig.
Nicht alle Musiker genossen in dieser von religiösen Auseinandersetzungen zerrissenen Zeit eine solch privilegierte Position am Hof. Der hartnäckige Katholik William Byrd konnte sich im England Elisabeths I. zwar dank der Protektion der (anglikanischen!) Monarchin einigermassen in Sicherheit wähnen. Natürlich musste er sich dafür erkenntlich zeigen, und er tat dies mit einigen Kompositionen für den anglikanischen Gottesdienst; darunter ist das Bittgebet für die Königin, O Lord, make thy servant Elizabeth. Byrd zog es aber schliesslich vor, sich in den Dienst eines katholischen Aristokraten zu stellen und auf dessen Landsitz fernab der Hauptstadt zu leben und zu komponieren. Manche seiner lateinischen Motetten hatten für die katholische Community nicht nur eine religiöse, sondern auch eine versteckte politische Bedeutung.
Ähnlich erging es dem ebenfalls katholischen Komponisten John Dowland: Er galt zwar als bester Lautenist seiner Zeit, konnte aber an Elisabeths Hof keine Anstellung erreichen – aus religiösen Gründen, wie er meinte, doch mag auch Anderes mitgespielt haben. So entschloss sich Dowland, England zu verlassen und für acht Jahre eine Stelle am Hof von König Christian IV. von Dänemark und Norwegen anzunehmen. Dort bezog er ein royales Gehalt und widmete dem König sein epochales Werk Lachrimae, or Seaven Teares von 1604. Neben sieben tiefsinnigen Pavanen enthält die Sammlung auch eine ganze Reihe von leichtgewichtigen Stücken, wie sie eben auch zum Aufgabenbereich eines Komponisten gehörten.
Und so wie Dowland seinem Brotherrn mit The King of Denmark’s Galliard die Reverenz erwies, steuerte Georg Friedrich Händel rund hundertfünfzig Jahre später zur offiziellen Feier des Friedens von Aachen seine brillante Music for the Royal Fireworks bei.
Die Anstellung als Hofkomponist musste jedoch nicht zwangsläufig zu eher leichtgewichtiger Gesellschaftsmusik führen – im Gegenteil: So schätzte König Karl I. die kunstvolle Kammermusik seines Hofkomponisten William Lawes, mit dem zusammen er selbst musizierte. Freilich endete die Lebensbahn beider Männer nicht eben glücklich: Der autokratische König verwickelte sich in langwierige Kämpfe mit dem Parlament und musste aus London fliehen. Bei der Belagerung von Chester 1645 stürzte sich leider auch William Lawes in den Kampf und wurde tödlich verwundet. Doch die Lage war für den König aussichtslos: Er wurde gefangen genommen und hingerichtet. Erhalten blieb glücklicherweise das umfangreiche Werk des Komponisten, aus dessen Royal Consort Setts OCTOPLUS die beschwingte Aire der ersten Suite spielt.