Sa 07.03.

15.00h Weinschenke Hotel Hirschen
Hirschengasse 6
Freier Eintritt

Apérokonzert ZHdK
Solo von Italien nach England

David Hubov Violine


Giuseppe Colombi (1635–1694)

  • Chiaconna a Basso solo F-Dur
    Arrangiert für Violine solo C-Dur

Nicola Matteis d.Ä. (ca. 1650–1714)

  • Preludio, Passaggio rotto, Fantasia a-Moll
    aus: Ayrs for the Violin (London 1676)

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704)

  • Passacaglia g-Moll, «Schutzengel»
    [ohne Tempoangabe] – Adagio – Allegro – Adagio
    aus: Rosenkranz-Sonaten (Salzburg, um 1674)

— Pause —

Arcangelo Corelli (1653–1713)

  • Preludio A-Dur
    aus: Select Preludes or Vollentarys per violino solo
    (London, um 1700)

Nicola Matteis d.J. (nach 1670–1737)

  • Fantasia a-Moll
    (Wien, um 1720)

Pietro Nardini (1722–1793)

  • Capricio No. 1 c-Moll

Johann Joseph Vilsmayr (1663–1722)

  • Partia VI A-Dur
    Prelude – Saraband – Aria. Adagio – Aria variata. Allegro
    aus: Artificiosus Concentus pro Camera (Salzburg 1715)

Das 17. Jahrhundert ist (auch) das Jahrhundert der Instrumentalmusik. Vor allem in Venedig entwickelt sich um 1600 eine ganz neuartige Violinmusik. Reisende Violinvirtuosen verbreiteten sie schnell über den ganzen Kontinent und bis hin nach England.
In London machte um 1670 eine Paganini-ähnliche Erscheinung Furore, der vermutlich aus Neapel stammende Violinist Nicola Matteis d.Ä. (ca. 1650–1714). So notierte der Diarist John Evelyn 1674 in seinem Tagebuch: Ich hörte den stupenden Violin Signor Nichola, den gewiss kein anderer Sterblicher je auf diesem Instrument übertreffen kann … Er hatte einen so süssen Strich und liess die Geige sprechen wie eine menschliche Stimme … Er wirkte Wunder auf einer Note, ist auch ein ausgezeichneter Komponist … Nichts kam der Violine in Nicholas’ Hand gleich.
Im Eigenverlag veröffentlichte Matteis vier Bände mit Ayrs for the Violin, Suiten für Violine mit und ohne Generalbass. Die ersten beiden Bände erschienen 1676, zwei weitere folgten 1685, diesen wurde 1687 eine zweite Diskantstimme hinzugefügt. Matteis verwendet darin gerne die in England beliebte repetition by division sowie Doppelgriffe und eine reiche Harmonik. Vor allem aber spricht seine Musik auch heute noch mit improvisatorischer Frische und einer «unbekümmerten» Spontaneität.
Matteis blieb in London und verheiratete sich dort. Für seinen gleichnamigen Sohn ging es dann in die umgekehrte Richtung: Nicola Matteis d.J. (nach 1670–1737), ebenfalls Violinist und Komponist, wirkte ab 1700 unter Johann Joseph Fux in der Wiener Hofkapelle. 1712 wurde er dort Direttore della musica instrumentale und hatte die Ballett- und Finalmusiken für die Opern seiner renommierteren Kollegen Conti, Caldara, Bononcini oder Fux zu schreiben.
An den Werken der drei anderen italienischen Komponisten Colombi, Corelli und Nardini lässt sich zumindest andeutungsweise der weitere Gang der Violinmusik in Italien vom Barock bis hin zur Frühklassik verfolgen – Nardini ist mit Leopold Mozart befreundet und lernt in Florenz auch dessen Sohn Wolfgang Amadeo kennen …
Die weiteren Hauptakzente in diesem Programm setzen allerdings die Solowerke zweier früherer Salzburger Komponisten. Erstaunlicherweise beendet Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704) seinen Zyklus der Rosenkranz- oder Mysteriensonaten mit einem zusätzlichen Werk nur für Violine solo. Diese Passacaglia g-Moll ist heute aufgrund der ihr im Manuskript beigegebenen Vignette unter dem Namen Schutzengel bekannt. Warum Biber den Zyklus gerade mit diesem Solostück beendet, scheint ebenso ein Rätsel wie andererseits dessen Virtuosität den Ausführenden nochmals alles abverlangt.
Vielleicht ein Schüler Bibers und sicher ein Musiker seiner Hofkapelle war Johann Joseph Vilsmayr (1663–1722), Violinist und Komponist. Heute so gut wie unbekannt, war er damals sehr geschätzt, denn sein Gehalt stieg über die Jahre kontinuierlich: von anfänglich 6 Gulden sowie Brot und Wein bis hin zu 25 Gulden und der Stellung als Kammerdiener.
Nur ein einziges gedrucktes Werk von Vilsmayr ist heute bekannt: die Sammlung Artificiosus Concentus pro Camera (Salzburg 1715) mit sechs Partias für Solovioline. Diese Suiten sind eine immer wieder anders zusammengestellte Folge der barocken Tanzsätze. Ganz im Sinne seines Lehrers verwendet Vilsmayr darin auch die Skordatur, also die Umstimmung der Saiten der Violine. Sie ermöglicht jeweils von Stück zu Stück andere Klangfarben der Töne und damit auch andere Ausdrucksnuancen.