So 01.03.

17.00h Johanneskirche
Limmatstrasse 112

Franz Schubert: Winterreise

Julian Prégardien Tenor
Els Biesemans Hammerflügel

Im Rahmen von Clara!


Franz Schubert:
Winterreise D 911

Ein Cyclus von Liedern von Wilhelm Müller.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte komponiert von Franz Schubert.

Franz Schubert
1. Gute Nacht
(Fremd bin ich eingezogen)
2. Die Wetterfahne
(Der Wind spielt mit der Wetterfahne)
3. Gefror’ne Tränen
(Gefror’ne Tropfen fallen)
4. Erstarrung
(Ich such’ im Schnee vergebens)
5. Der Lindenbaum
(Am Brunnen vor dem Tore)

Delphine von Schauroth (1813–1887)

  • Lied ohne Worte
    aus: 6 Lieder ohne Worte op. 18

Franz Schubert
6. Wasserflut
(Manche Trän’ aus meinen Augen)
7. Auf dem Flusse
(Der du so lustig rauschtest)
8. Rückblick
(Es brennt mir unter beiden Sohlen)
9. Irrlicht
(In die tiefsten Felsengründe)
10. Rast
(Nun merk’ ich erst, wie müd’ ich bin)
11. Frühlingstraum
(Ich träumte von bunten Blumen)
12. Einsamkeit
(Wie eine trübe Wolke)

Fanny Mendelssohn (1805–1847)

  • Hensel Capriccio in h-Moll

Franz Schubert
13. Die Post
(Von der Strasse her ein Posthorn klingt)
14. Der greise Kopf
(Der Reif hat einen weissen Schein)
15. Die Krähe
(Eine Krähe war mit mir aus der Stadt gezogen)
16. Letzte Hoffnung
(Hie und da ist an den Bäumen)

Clara Wieck Schumann (1819–1896)

  • Romanze in g-Moll

Franz Schubert
17. Im Dorfe
(Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten)
18. Der stürmische Morgen
(Wie hat der Sturm zerrissen)
19. Täuschung
(Ein Licht tanzt freundlich vor mir her)
20. Der Wegweiser
(Was vermeid’ ich denn die Wege)
21. Das Wirtshaus
(Auf einen Totenacker)
22. Mut
(Fliegt der Schnee mir in’s Gesicht)
23. Die Nebensonnen
(Drei Sonnen sah ich am Himmel steh’n)
24. Der Leiermann
(Drüben hinterm Dorfe)


Julian Prégardien Tenor
Els Biesemans Hammerflügel
Hammerflügel von Paul McNulty in Wiener Bauweise nach Walter & Söhne

julianpregardien.de
elsbiesemans.be

Clara!

Mit Clara! ruft Julian Prégardien eine Konzertreihe ins Leben, die eine stärkere Präsenz von Pianistinnen und Komponistinnen in der heutigen Konzertlandschaft fördern will. Ausgehend vom Pioniergeist der Ausnahmekünstlerin und Unternehmerin Clara Schumann werden dafür neuartige Konzertprogramme geschaffen. Die Initialzündung im Herbst 2025 geschah in Kooperation mit dem deutschen Schumann-Netzwerk; Partnerin von Julian Prégardien war dabei die Pianistin Saskia Giorgini.

In der zweiten Folge der Clara!-Konzerte steht Franz Schuberts Winterreise auf dem Programm. Der Sänger tritt nun zusammen mit der Wahl-Schweizerin Els Biesemans auf, die an einem historischen Tasteninstrument musiziert. Der Fokus gilt hier der Art und Weise, wie man Schuberts ikonischen Liederzyklus möglicherweise in den Soiréen des 19. Jahrhunderts erleben konnte, nämlich unterteilt in mehrere Liedgruppen und im Dialog mit anderen Klavierwerken, hier mit drei Werken von Komponistinnen.


Die Gedichte der Winterreise fand Franz Schubert (1797–1828) im Urania-Almanach des Jahres 1823; sie stammen vom Wilhelm Müller (1794–1827), der zum schwäbischen Dichterkreis um Ludwig Uhland, Justinus Kerner, Wilhelm Hauff u.a. gehörte. Geradezu ironisch-tragisch mutet es an, dass Müllers Leben ähnlich kurz bemessen war wie dasjenige Schuberts, der Müllers Gedichte in dessen Todesjahr vertonte und im Jahr darauf selbst starb.
Der Zyklus besteht deutlich aus zwei Teilen: Der erste handelt von enttäuschter Liebe, von Erinnerungen an eine glücklichere Zeit und von vermeintlichen Hoffnungen. Im zweiten Teil irrt der Wanderer ziellos und allein durch eine Winterlandschaft, die sich zunehmend verdüstert. Der Schluss allerdings, Der Leiermann, ist etwas doppeldeutig: Die Musik ist an trostloser Eintönigkeit zwar kaum mehr zu überbieten; andererseits aber trifft der Wanderer hier den ersten und einzigen Menschen im Zyklus – soll er sich ihm anschliessen …?
Doppel-, ja mehrdeutig ist auch die Aussage des ganzen Zyklus: Spricht er von der persönlichen Situation des erkrankten Komponisten? Zeichnet er ganz allgemein das existentielle Elend des menschlichen Daseins? Oder klagt er – wenn auch nur im Subtext – die gesellschaftliche Situation im repressiven Staat Metternichs an? Immerhin war die Urania in Österreich verboten, der Köhler des Lieds Nr. 10 (Rast) ist einer jener Carbonari, die einen (ebenfalls verbotenen) Geheimbund bildeten, und Lied 17 (Im Dorfe) beginnt ominös Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten …

 

Die drei Komponistinnen:

So unbekannt Delphine von Schauroth (1813–1887) heute ist, so berühmt war sie zu ihrer Zeit. Bereits als Neunjährige erregte die Schülerin von Friedrich Kalkbrenner grosses Aufsehen: Hier buhle nicht der, solchen kleinen Virtuosen in der Regel durch allerley tadelnswerthe Mittel beygebrachte, Mechanismus um den Beyfall der Zuhörer; es ist ein ächt musikalisches und empfindendes Gemüth in dem Kinde – so ein Zeitgenosse. Felix Mendelssohn widmete der Pianistin im Autograph sowohl das Venetianische Gondellied (Lieder ohne Worte, op. 19) wie auch sein Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25, dessen Solopart sie bei der Uraufführung 1831 achtzehnjährig spielte. Robert Schumann seinerseits rezensierte in der Neuen Zeitschrift für Musik zwei ihrer Kompositionen: Sie wird sich zur Romantikerin hinausbilden, und so ständen mit Clara Wieck zwei Amazonen in den funkelnden Reihen. In ihrer späteren Biographie dominiert v.a. das Privatleben – so war Delphine von Schauroth dreimal verheiratet und dreimal geschieden –, und ihre Konzertauftritte wurden seltener, sodass sie schon zu Lebzeiten allmählich in Vergessenheit geriet.
Fanny Mendelssohn / Fanny Hensel (1805–1847) erhielt die gleiche musikalische Ausbildung wie ihr jüngerer Bruder Felix und komponierte seit ihrem 14. Lebensjahr. Eine öffentliche musikalische Laufbahn war für sie, die Tochter einer grossbürgerlichen Familie, nach den Vorstellungen des Vaters jedoch nicht möglich. 1829 heiratete Fanny den Maler Wilhelm Hensel und veranstaltete fortan in ihrem Haus regelmässig halböffentliche Konzerte. Ab 1846 entschloss sie sich – gegen den Wunsch von Felix –, einige Werke zu publizieren. Ihr grosses Oeuvre besteht v.a. aus Liedern, Kammer- und Klaviermusik, darunter ein Klaviertrio, ein Streichquartett und der Klavierzyklus
Das Jahr.
Seit dem fünften Lebensjahr erhielt Clara Wieck / Clara Schumann (1819–1896) von ihrem Vater eine systematische professionelle Ausbildung. So debutierte sie neunjährig im Leipziger Gewandhaus, was zum Beginn einer europäischen Karriere wurde, und seit dieser Zeit komponierte sie auch. Gegen den Willen des Vaters heiratete Clara 1840 Robert Schumann, der sie zum Komponieren ermutigte, ihre Konzertreisen aber – auch angesichts einer stetig wachsenden Familie – eher skeptisch sah. Während Schumanns Krankheit schloss Clara enge Freundschaft mit dem jungen Johannes Brahms. Aufgrund verschiedener Auftritte in Berlin entwickelte sich später auch eine Freundschaft mit Fanny Hensel. Nach Schumanns Tod 1856 nahm Clara ihre Konzerttourneen verstärkt wieder auf; auch wurde sie als Professorin an das neugegründete Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt berufen. Ihr nicht sehr umfangreiches Werk umfasst v.a. Lieder und Klaviermusik, dazu ein Klaviertrio und ein Klavierkonzert.