Sa 28.02.

19.30h Fraumünster

George Jeffreys:
Von Byrd zu Purcell

Solomon’s Knot


William Byrd (ca. 1540–1623)

  • O Lord, turn thy wrath
    Contrafactum von Ne irascaris

George Jeffreys (ca. 1610–1685)

  • How wretched is the state 

Pomponio Nenna (1556–ca. 1613)

  • His fayr eyes on her fixed
    Contrafactum von Parean dir gli occhi suoi. Englische
    Fassung von George Jeffreys

George Jeffreys

  • Felice pastorella
  • A music strange

William Lawes (1602–1645)

  • Pavan
    aus: Royall Consort Sett No. 4

George Jeffreys

  • O bone Jesu
  • Whisper it easily
  • O quam jucundum
  • O quam suave
  • The Lord in thy adversity

Henry Purcell (1659–1695)

  • (Trio-)Sonate g-Moll
    Sonate Nr. 1 aus: Sonnata’s of Three Parts, Z. 790 (1683)

George Jeffreys

  • Look up, all eyes

Solomon’s Knot
Clare Lloyd-Griffiths, Zoë Brookshaw Sopran
Kate Symonds-Joy Alt
Thomas Herford, David de Winter Tenor
Jonathan Sells Bass

Magda Loth-Hill Violine
Emilia Benjamin Violine, Viola
Kate Conway, Gavin Kibble Viola
Jan Zahourek Violone
Francesco Zoccali Theorbe
William Whitehead Orgel

Truhenorgel von Peter Meier Orgelbau nach Vorbildern des 17. und 18. Jahrhunderts

solomonsknot.co.uk

George Jeffreys und die Geburt der englischen Barockmusik

Das Leben von George Jeffreys (ca. 1610–1685) spielte sich zeitlich zwischen zwei grossen «Leuchttürmen» der englischen Musikgeschichte ab: zwischen William Byrd (ca. 1540–1623) und Henry Purcell (1659–1695). Jeffreys war für kurze Zeit Organist am Hof von König Charles I. in Oxford und geriet so in die Wirren des Englischen Bürgerkriegs zwischen den Königstreuen und den Puritanern unter Oliver Cromwell. Der Krieg endete 1649 mit der Entmachtung und Hinrichtung des Königs. Somit stand Jeffreys auf der Verliererseite des Krieges, was für ihn fortan ein zurückgezogenes Leben bedeutete: Ab 1648 war er auf dem Landsitz seines Gönners, Baron Christopher Hatton III., in Northamptonshire angestellt – jedoch nicht als Komponist, sondern als Sekretär und Verwalter.
Jeffreys’ Leidenschaft galt allerdings der Musik und wurde durch Hattons Liebe zu allem Italienischen genährt – eine Vorliebe, die nicht nur der Architektur und Gartenkunst, sondern auch der Musik und v.a. dem Madrigal galt. So kopierte Jeffreys Dutzende Werke italienischer Meister, unter anderem das Siebte Madrigalbuch von Pomponio Nenna (1556–ca. 1613). Diese Praxis – die Umwandlung von Madrigalen, manchmal auch in quasi-religiöse oder geistliche Stücke – stellt ein spätes Beispiel einer damals schon langen englischen Tradition dar. Sie hatte bereits mit Nicholas Yonges Musica Transalpina (1588) und Thomas Watsons Italian Madrigals Englished (1590) begonnen und machte das Publikum mit dem italienischen Madrigal in englischsprachigen Versionen bekannt. So versah auch George Jeffreys Nennas Madrigale mit einem englischen Text.
Der Komponist wurde dadurch aber auch dazu inspiriert, seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln – eine Verschmelzung des konservativen Stils der anglikanischen Kirchenmusik in der Nachfolge von William Byrd mit der Leidenschaftlichkeit des italienischen Madrigals. In seiner Musik brechen stark empfundene Gefühle wie kaum in anderer religiöser Musik seiner Zeit hervor.
Während seiner Anstellung in Oxford ist George Jeffreys möglicherweise einem Musiker begegnet, der viele Jahre am Hof von Charles I. tätig war: William Lawes (1602–1645). Der neue Musikstil seiner Royall Consort–Suiten für Gambenensemble weist in gewisser Weise bereits auf das spätere Streichquartett hin. (Anders als Jeffreys hat Lawes den Bürgerkrieg leider nicht überlebt; er fiel 1645 im Kampf.) Wenn in den Werken von Lawes gleichsam der Stil der späteren Kammermusik geboren wird, dann findet sich andererseits in George Jeffreys’ Vokalmusik der Ursprung eines neuen, deklamatorischen Ausdrucksstils italienischer Prägung.
Nach Oliver Cromwells Tod kehrte 1660 Charles Stuart, der Sohn des hingerichteten Königs Charles I., aus dem französischen Exil nach England zurück. Mit der Rückkehr des Stuart-Monarchen auf den englischen Thron hielt nun vorerst der französische Musikstil in England Einzug.
Das letzte Werk, das Jeffreys kopierte, waren jedoch die Sonnata’s of III Parts (1683) von Henry Purcell, in denen der junge Komponist sich um a just imitation of the most fam’d Italian Masters, also um eine ebenbürtige Nachahmung der berühmtesten italienischen Meister bemühte – und damit auch um die Abkehr vom französischen Musikstil. Hier zeigt sich die barocke Triosonate in der uns heute vertrauten Form und in einer Verschmelzung des englischen mit dem italienischen Stil.
So mag George Jeffreys, nach den strikten Einschränkungen der puritanischen Herrschaft, hoffnungsvoll in eine europäisch geprägte Zukunft der englischen Musik geblickt haben.