Fr 27.02.

19.30h St. Anna-Kapelle
St. Annagasse 11

Musica Transalpina II
Aus dem Reisetagebuch des Thomas Coryat (1611)

Cellini Consort


John Hilton (1599–1657)

  • Preludio
Thomas Coryat:
Meine Beobachtungen in Italien

Mailand
Andrea Cima (ca. 1580–ca. 1627)

  • Sonata à tre

Mantua
Salomone Rossi (ca. 1570–ca. 1630)

  • Sonata à 4

Padua
Giovanni Battista Fontana (1589–1630)

  • Sonata nona

Venedig
Giovanni Battista Riccio (ca. 1570–1621)

  • Canzon La Picchi

Rhätien
Orlando Gibbons (1583–1625)

  • Fantasia V
Thomas Coryat:
Weiterreise durch Graubünden

Salomone Rossi

  • Toccata settima
Thomas Coryat:
Beobachtungen in der Schweiz

John Hilton

  • Fantasia V

Zürich
Orlando Gibbons

  • Fantasia VI

Baden
Salomone Rossi

  • Sinfonia nona
  • Sinfonia tertiadecima

Basel
Salomone Rossi

  • Sinfonia undecima
  • Sinfonia quinta

John Hilton

  • Fantasia IV

Cellini Consort
Tore Eketorp Diskantgambe
Thomas Goetschel Diskantgambe
Brian Franklin Bassgambe
Yvonne Ritter Cembalo

Andreas Storm Sprecher

Cembalo von Markus Krebs in italienischer Bauweise nach Trasuntino 1531

celliniconsort.ch

Zu Fuss und zu Pferd, mit Kutsche und per Schiff reiste 1608 der Engländer Thomas Coryat/Coryate (ca. 1577–1617) durch Europa: von London via Frankreich nach Venedig, dann über die Schweiz, Deutschland und Holland wieder zurück nach London. Was er auf dieser Reise beobachtete, hörte und erlebte, hielt er in einem Reisetagebuch fest. Es erschien 1611 unter dem ebenso langen wie werbewirksamen Titel Coryat’s Crudities: hastily gobled up in five monthes travells in France, Savoy, Italy, Rhetia comonly called the Grisons country, Helvetia alias Switzerland, some parts of High Germany and the Netherlands … (Coryats Allerlei, hastig zusammengerafft auf einer fünfmonatigen Reise durch Frankreich, Savoyen, Italien etc.) Das Buch wurde in England sehr populär und diente nicht zuletzt späteren Italienreisenden als Reiseführer.
Thomas Coryat war ein Höfling in der Entourage von Prinz Henry, dem ältesten Sohn von König James I. Er hatte aber anscheinend keine offiziellen Pflichten, sondern diente dem Prinzen als eine Art geistvoller Unterhalter. Schon 1612 begab sich Coryat auf eine zweite Reise, die ihn über Griechenland und die Türkei bis nach Indien führen sollte, wo er dann allerdings an der Ruhr – und zu viel Alkohol – starb.
In England ebenfalls sehr populär war damals die neue italienische Musik: Unter dem Titel Musica transalpina war schon 1588 eine Sammlung italienischer Madrigale erschienen; die meisten Stücke stammten von Luca Marenzio und Alfonso Ferrabosco d. Ä., der selbst einige Zeit in England gelebt hatte. Der Musica transalpina folgten 1590 die Italian Madrigals Englished. Wie dieser zweite Titel schon andeutet, wurden die Texte in englischer Übersetzung bzw. Bearbeitung gedruckt. So wurden sie zu einem grossen Publikumserfolg und dienten vielen englischen Komponisten in der Zeit von Königin Elisabeth I. als Inspirationsquelle: Thomas Morley, John Wilbye, Thomas Weelkes, Orlando Gibbons und anderen mehr.
In diesem Programm wird Coryats Route durch Italien und seine Rückreise über die Alpen – durch Rhätien, gemeinhin als Graubünden bekannt, und durch Helvetien alias Schweiz – bis nach Basel nachgezeichnet. Die Musik dazu stammt von italienischen Komponisten, deren Musik er auf seiner Reise hörte. Einigen mag er möglicherweise sogar persönlich begegnet sein, da sie entlang seiner Route ihre Wirkungsstätten hatten.
Cellini Consort
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Mailand
Andrea Cima (ca. 1580–ca. 1627) war als Organist und Komponist an verschiedenen Mailänder Kirchen tätig. Laut J.G. Walthers Lexikon von 1732 soll er auch Kapellmeister in Bergamo gewesen sein, was aber bisher nicht nachgewiesen ist. Seine Werke im frühbarocken Stil erschienen in verschiedenen Sammeldrucken sowie als Il primo libro bzw. als Il secondo libro delli concerti (für 2 bis 4 Stimmen) 1614 und 1627 in Mailand.
Mantua
In der Hofkapelle der Herzöge von Mantua spielte ab 1587 ein Musiker, der aus einer alteingesessenen jüdischen Familie Mantuas stammte, Salomone Rossi (ca. 1570–ca. 1630); am Hof war bereits seine Schwester Europa als Sängerin engagiert. Später stieg Rossi zum Leiter des Instrumentalensembles der Hofmusik auf. Er veröffentlichte mehrere Bände mit Vokal- und Instrumentalmusik: dreistimmige Canzonetti (1589) – leichtfüssige, tänzerische Stücke –, Madrigali mit Basso continuo sowie zahlreiche Instrumentalwerke. Darunter finden sich auch Sonaten in der Besetzung mit zwei Melodieinstrumenten und Basso continuo. Somit kann Rossi als einer der Pioniere der barocken Triosonate gelten. Bemerkenswert ist aber v.a. auch seine mehrstimmige Vertonung von Texten aus dem alttestamentlichen Hohen Lied oder Buch Salomons: Ha-Shirim Asher li-Shelomoh (1622). 1628 erschien Rossis letzte Publikation, ein Band mit Madrigaletti; danach verliert sich seine Spur. Leider ist anzunehmen, dass er bei der österreichischen Invasion während des Mantuanischen Erbfolgekrieges ums Leben kam, sei es in den damit verbundenen antisemitischen Ausschreitungen, sei es durch die von den Österreichern eingeschleppte Pest.
Padua
Giovanni Battista Fontana (1589–1630) Im Laufe seines nicht langen Lebens hatte Fontana Stellen in Rom, Venedig und – leider – auch in Padua inne: er wurde dort 1630 ein Opfer der Pest.
Die Informationen über ihn stammen aus der einzigen Publikation mit seinen Werken. Sie erschien erst 1641, elf Jahre nach seinem Tod, und enthält (18) Sonate a 1, 2, 3 per il violino, o cornetto, fagotto, chitarone, violoncino o simile altro istromento. Fontanas Musik ist geprägt von der frühbarocken Klangrede, eleganter Melodik und einem virtuosen, improvisatorisch-freien Duktus.
Venedig
Giovanni Battista Riccio (ca. 1570–1621) Über den venezianischen Musiker ist wenig bekannt. Sicher war er Organist an der Scuola di San Giovanni Evangelista in Venedig, und überliefert sind von ihm drei Sammlungen mit Vokal- und Instrumentalmusik. Ganz unüblicherweise für seine Zeit komponierte er Werke für die Blockflöte, darunter eine Canzone für zwei Flautini. In seinem Terzo libro delle Divine Lodi (1620/21) findet sich eines der frühesten Stücke, die Canzona La Grimantea con il tremolo, in dem auf der Blockflöte ein Tremolo verlangt wird.
England
John Hilton (1599–1657) ist der vielleicht unbekannteste Komponist dieses Programms, doch seine Publikationen haben die auffälligsten Titel: Catch That Catch Can heisst die eine, Ayres or Fa-Las die andere – beide ziemlich «catchy» und passend zu den leichtgewichtigen Gesellschaftssongs, die die Sammlungen enthalten. Hilton war sowohl Organist an der St. Margaret‘s Church in London wie auch Lautenist am Hof von König Charles I. Zu seinen «seriöseren» Werken zählen die kurzen Oratorien The Judgement of Solomon, The Judgement of Paris und The Temptation of Job.
Orlando Gibbons (1583–1625) ist mit William Byrd und John Bull einer der drei Komponisten, deren Werke sich in der Parthenia, dem ersten englischen Druck mit Tastenmusik (1613) finden – ein deutlicher Hinweis auf seine Bedeutung für die damalige englische Musik. Und Gibbons befand sich in dieser Zeit auch auf einer glänzenden Karriere: Er war Mitglied der Chapel Royal sowie der königlichen Privatkapelle und auch Organist an Westminster Abbey – eine Karriere, die allerdings durch seinen frühen Tod jäh beendet wurde. In seinem vielfältigen Werk mit geistlicher Vokal-, Consort- und Tastenmusik nehmen vor allem auch die Fantasien für drei- bis sechsstimmiges Gambenensemble einen zentralen Platz ein.