Fr 06.03.

18.00h St. Anna-Kapelle
St. Annagasse 11
Freier Eintritt

Präludium

OCTOPLUS
OCTOMINUS
Ensemble F-Shark


Luca Marenzio (1553/54–1599)

  • Super flumina Babylonis

Angelo Notari (ca. 1566–1663)

  • Canzona passaggiata

Antonio de Cabezón (1510–1566)

  • Ultimi miei sospiri
    nach Philippe Verdelot

Cipriano de Rore (ca. 1515–1565)

  • Ancor che col partire

Giovanni Bassano (ca. 1560–1617)

  • Diminution über Ancor che col partire

Georg Friedrich Händel (1685–1759)

  • Ombra mai fu
    Aus: Serse
  • Wassermusik
    Ouverture – Allegro – Air – Minuet – Bourrée

OCTOPLUS
Selina Bäbler, Klara Davet, Oliver Graf, Pauline Hürlimann, Sophia Jeger, Samuel Mink, Viviane Onus, Flurin Schmid, Andrea Spiri, Andrea Vogler, Aline von Hoff, Marie-Bernadette Weibel Blockflöten

OCTOMINUS
Nils Graf, Natascha Sarain, Flurin Schmid Blockflöten
Louisa Bächtold Sopran

Ensemble F-Shark
Greta Ansorge, Leonora Bisig, Tatjana Filimonova, Fabian Graf, Annika Marinheiro, Emina Tabaković Blockflöten

Joan Boronat Sanz Korrepetition, Cembalo & Orgel

Martina Joos Leitung

martinajoos.ch

Passaggio, partire, passeggiata, passaggi – Durchgang, Weggehen, Spaziergang, Hindurchführen, Übergang: Das alles und anderes mehr klingt an in den Titeln des Programms, das Martina Joos für das Konzert von OCTOPLUS zusammengestellt hat – und immer liegt den Begriffen die Vorstellung des Gehens zugrunde.
Zugegeben: Die meisten von ihnen sind technische Begriffe der Musik um 1600. Früher gab es die Praxis, Vokalwerke auf Instrumenten auszuführen. Nun ging es den Komponisten mehr und mehr darum, Kompositionen für Stimmen phantasievoll in Musik für Instrumente umzuformen. Und das Mittel dazu war, die Musik mit «Passaggi» und «Diminutionen» anzureichern, lange Notenwerte in kleinere (also schnellere) aufzulösen oder sie mit Verzierungen aller Art zu umspielen. So entstanden neue Stücke, die sich wie Instrumentalmusik anhören und in denen die Instrumente auch virtuos glänzen können. Was also als technisches Verfahren begann, führte schliesslich zu einem anderen Musikstil.
Besonders deutlich wird dies in der Canzona passaggiata von Angelo Notari (ca. 1566–1663), der im Übergang von der Renaissance zur frühen Barockmusik komponierte. Im Sinn der Renaissance ist die Musik durchwegs mehrstimmig (kontrapunktisch) gedacht. Im Sinn des Barocks verwendet Notari aber kunstvolle Diminutionen und Verzierungen, die die melodische Linie in schnelle Figurationen auflösen: in Läufe, Triller und Sprünge über dem stabilen Bass.
Antonio de Cabezón (1510–1566) dagegen ist ganz ein Komponist der spanischen Renaissance – und ausserdem ein (blinder!) virtuoser Organist. Sein Stück ist eine Bearbeitung des Madrigals Ultimi miei sospiri von Philippe Verdelot. – Ähnlich auch bei Ancor che col partire von Cipriano de Rore; sein Madrigal spricht vom Schmerz des Abschiednehmens und Weggehens. Dieses wurde von Giovanni Bassano (ca. 1560–1617), dem Leiter des Instrumentalensembles an San Marco, in eine brillante Diminution umgearbeitet; der vokale Ausdruck wird zu instrumentaler Virtuosität.
Andere Werke des Programms zeigen dagegen die Möglichkeiten einer wirkungsvollen, aber eher direkten Übertragung von Vokal- und Instrumentalmusik in andere Besetzungen. In ihnen erscheint das «Gehen» jeweils in ganz unterschiedlicher Bedeutung.
Die sechsstimmige Motette Super flumina Babylonis von Luca Marenzio (1553/54–1599) spricht von der Sehnsucht der Juden im babylonischen Exil, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Ganz anders dagegen zwei Könige bei Georg Friedrich Händel (1685–1759): In dessen Oper Serse plant der persische Grosskönig Xerxes, seine Truppen mit einer Bootsbrücke von Kleinasien nach Europa überzusetzen, um dort die widerspenstigen Griechen zu unterjochen; zuvor singt er sein berühmtes Ombra mai fu, in dem er eine schattenspendende Platane anhimmelt. – Friedlicher ging es bei einer Bootsfahrt am 17.7.1717 in London zu: Für die Lustfahrt des englischen Königs Georg I. auf der Themse schrieb Händel die drei Suiten seiner Water Music.