So 08.03.

17.00h Johanneskirche
Limmatstrasse 112

Brückenschlagkonzert

Wenn die Oper ruht
Dramatisches aus der französischen Barockmusik

Le Consort & Gwendoline Blondeel

Kooperation mit dem Opernhaus Zürich


Jean-Marie Leclair (1697–1764)

  • Scylla et Glaucus: Ouverture
    Grave. Stacato – Allegro – Largo. Dolce – Allegro assai
    aus: 3 ouvertures et 3 sonates en trio pour 2 violons
    op. 13 (1753)

Elisabeth Jacquet de La Guerre (1665–1729)

  • Prélude non mesuré
    Le sommeil d’Ulisse für Sopran, Violinen und B.c.
    aus: Cantates Françoises, Livre 3 (1715)
    Symphonie – Récitatif – Air. Sur une mer orageuse – Récitatif – Symphonie & Tempête. Pour perdre ce guerrier – Symphonie & Air. Venez Minerve bienfaisante – Récitatif – Symphonie & Sommeil. Dormez, vous défendez pas d’un sommeil – Récitatif – Symphonie & Air. Ulisse que la gloire appelle triomphe
    Text: Antoine Houdar de La Motte

Jean-François Dandrieu (1681–1738)

  • Triosonate in a-Moll op. 1 / Nr. 4 für 2 Violinen und Bc
    Adagio – Allegro – Vivace – Largo – Vivace

Jean-Joseph de Mondonville (1711–1772)

  • Quare tristis es, anima mea
    für obligates Cembalo mit Stimme oder Violine
    aus: Pièces de clavecin avec voix ou violon ajouté, op. 5
    (1748)

Jean-François Dandrieu

  • Trisonate in g-Moll op. 1 / Nr. 3 für 2 Violinen und Bc
    Adagio – Allegro – Adagio – Giga

De Mongaultier (ca. 1730–ca. 1773)

  • Cantates à voix seule avec symphonie (Auszüge)
    Les Adieux de la mélancolie
    Air lentement. Aimable solitude, asile de la nuit
    Le Réveil de Vénus
    Air. Dieu du sommeil
    Les Adieux de la mélancolie
    Récitatif. Mais quel trouble imprévu? – Air gai et gracieux.
    Quitterai-je votre douceur – Vite. Que dis-je? – Lent.
    Et respecte à jamais la Reine de mon cœur.

Jean-Pierre Guignon (1702–1774)

  • Variations sur l’Air des Sauvages für zwei Violinen
    Nach La Danse des Sauvages aus dem Opéra-Ballet
    Les Indes galantes von Jean-Philippe Rameau
    aus: Pièces de différens Auteurs à 2 violons op. 8 (1746)

Gwendoline Blondeel Sopran
Le Consort
Théotime Langlois de Swarte Violine
Sophie de Bardonnèche Violine
Hanna Salzenstein Violoncello
Justin Taylor Cembalo

Cembalo von Markus Krebs in deutscher Bauweise nach Mietke

gwendolineblondeel.com
leconsort.com

Religiöse Feiertage waren eine harte Zeit für die Mélomanes im Paris des 18. Jahrhunderts: Vor allem in der Fasten- und Passionszeit, aber auch an anderen kirchlichen Feiertagen, mussten Opernaufführungen unterbleiben. Ersatz mögen teilweise die Oratorien geboten haben, opernähnliche Werke mit biblischem Stoff, aber ohne szenische Aufführung. Vor allem aber wurden 1725 die Concerts spirituels mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet, an den opernfreien Tagen Konzerte aufzuführen. Diese fanden in der Salle des Cent-Suisses der Tuilerien statt – dem ersten Konzertsaal Frankreichs. Der Name der Konzertreihe – Geistliche Konzerte – mag sich einer gewissen Rücksichtnahme auf die kirchlichen Feiertage verdanken, und so wurden regelmässig v.a. auch geistliche Werke programmiert.
1755 übernahm der Komponist Jean-Joseph de Mondonville (1711–1772) die Leitung dieser Concerts spirituels und schrieb für sie einige grosse Motetten. Experimentell sind die Solomotetten oder -kantaten – Psalmvertonungen – seines Opus 5, wie schon dessen Titel andeutet: Pièces de clavecin avec voix ou [sic!] violon ajouté. Der Cembalopart ist also die Hauptsache, er ist obligat und ausgeschrieben, die Singstimme oder zusätzlich die Geige nehmen «nur» eine Nebenrolle ein.
Dies ist umso erstaunlicher, als in einem der wichtigsten Genres der damaligen Musik, in der Triosonate, gerade die Violine eine Hauptrolle spielt. Und erst noch in doppelter Besetzung: Zwei Instrumente – nebst der Violine gern auch die Traversflöte – teilen sich gleichberechtigt die Melodielinien und werden dabei vom Basso continuo, meist Cembalo und Cello, begleitet – trotz ihres Namens braucht die Triosonate also vier Instrumente … Im Programm erklingen zwei Triosonaten aus dem Opus 1 (1705) von Jean-François Dandrieu (1681–1738), der vor allem für seine Cembalomusik bekannt ist. Er strebte in diesen sechs Werken einen italianisierenden Stil an.
Zurück zur Kantate. Sie war ebenfalls eine beliebte Kompositionsform der Zeit, denn sie erfüllte den Wunsch des Publikums nach dramatischen Geschichten. So wandten sich zahlreiche Musikerinnen und Musiker diesem Genre zu, unter ihnen auch der geheimnisvolle Komponist de Mongaultier (ca. 1730–ca. 1773), von dem fast nichts bekannt ist, nicht einmal sein Vorname.
Das längste Werk des Konzerts stammt von Elisabeth Claude Jacquet de La Guerre (1665–1729). Für ihre Kantate Le sommeil d’Ulisse wählte sie eine Episode aus der Odyssee: Neptun verfolgt Odysseus voller Zorn und wühlt das Meer zu einem Sturm auf. Odysseus überlebt nur dank der Hilfe Minervas (Athene) und wird schliesslich auf der Insel der Phaiaken an Land gespült. Dort nimmt ihn König Alkinoos auf, und Odysseus sieht in einem Traumgesicht seine Heimkehr nach Ithaka voraus.
In diesem Konzert taucht die Oper manchmal auch in reiner Instrumentalmusik auf. So adaptierte Jean-Marie Leclair (1697–1764) die Ouvertüre seiner einzigen Oper Scylla et Glaucus selbst zu einer Triosonate; schon in ihr spiegeln sich die dramatischen Geschichten und Figuren wider, die danach auf der Opernbühne zu erleben wären1. Dieses Werk eröffnet das Konzert; es schliesst mit den Variationen von Jean-Pierre Guignon (1702–1774) über die exotische Danse des Sauvages aus Rameaus Opéra-Ballet Les Indes galantes; Guignon bearbeitete das populäre Stück für zwei Violinen.
Im Übrigen bot auch das Leben selbst dramatische Geschichten: Die beiden Kollegen Guignon und Leclair hatten vereinbart, sich in der Leitung des königlichen Orchesters monatlich abzuwechseln. Doch als Guignon zum Wechsel nicht bereit war, kam es zu einem so heftigen Streit, dass Leclair seinen Posten im Zorn aufgab …

1 … und die Sie übrigens ab dem 27. März am Barockfestival des Opernhauses Zürich auch tatsächlich erleben können.